Moorallianz: Renaturierungsmaßnahmen im Räsenmoos abgeschlossen

Juli 29, 2019 | Kategorie:Nachrichten |
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29.7.2019 Landkreis Ostallgäu. In Kooperation mit der Stadt Marktoberdorf als Grundeigentümerin hat die Allgäuer Moorallianz zahlreiche Dämme in Entwässerungsgräben eingebaut.

Die Renaturierungsmaßnahmen im Räsenmoos bei Marktoberdorf sind abgeschlossen. Der Torfkörper ist wieder nass und kann seine Funktion als Wasser- und Kohlenstoffspeicher übernehmen. Neue Lebensräume für Libellen, Schmetterlinge, Vögel und Reptilien wurden geschaffen und sollen sich nun weiter ungestört entwickeln können.

Auf den ersten Blick mag das Räsenmoos den Eindruck eines intakten Moorwald-Gebietes gemacht haben. Immerhin ist es schon im Jahr 1996 als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden mit dem Ziel der ungestörten Entwicklung des Hochmoorkomplexes und der Verbesserung des Wasserhaushalts. In der Verordnung ist sogar ein Betretungsverbot für die Allgemeinheit festgeschrieben. So verwundert es nicht, dass das Gebiet in eine Art Dornröschenschlaf versunken ist und nur noch auf den verbliebenen Privatparzellen am Rand eine moderate Waldnutzung erfolgte. Der Kernbereich und größte Anteil ist im Eigentum der Stadt Marktoberdorf und wurde nun im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes Allgäuer Moorallianz hydrologisch saniert.

Nach der Auswertung von digitalen Geländemodellen stand für das Projektteam der Moorallianz und deren Planer fest, dass dringend Handlungsbedarf bestand. Denn die alten, zum Teil oberflächlich verwachsenen Grabenstrukturen zeigten nach wie vor erhebliche Wirkung, der Torfkörper trocknete zunehmend aus, der ehemals offene Hochmoorkern wuchs über die Jahre immer dichter zu, standorttypische und auf das saure, nasse Milieu angepasste Pflanzenarten kamen in Bedrängnis. Und vor allem konnte das Moor seine Funktion als Kohlenstoffspeicher nicht mehr erfüllen.

Bei einer geführten Begehung konnten sich die Stadtverwaltung, Stadtratsmitglieder, Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell und die Ostallgäuer Landrätin Maria Rita Zinnecker jüngst vom Erfolg der Maßnahmen überzeugen. Hell betonte, dass die Stadt Eigentümerin mehrerer Moore sei und sich ihrer Verantwortung für diese besonderen Naturräume – insbesondere im Hinblick auf den Klimaschutz und den Artenschutz – bewusst sei. Als Partner der Allgäuer Moorallianz könne die Stadt einen wichtigen Beitrag zum Erfolg des Projektes, zur Erhaltung und Entwicklung der Allgäuer Moore und ihrer außerordentlichen Artenvielfalt beitragen, resümierte Landrätin und Moorallianz-Zweckverbandsvorsitzende Zinnecker bei der Begehung.

Die Teilnehmer der Führung durch das Gelände zeigten sich beeindruckt von den Baumaßnahmen, die aufgrund des wenig tragfähigen Moorbodens mit Spezialmaschinen mit breiten Kettenlaufbändern durchgeführt werden mussten. Damit diese sich überhaupt auf dem instabilen Torfkörper bewegen konnten und die enormen Materialtransporte stattfinden konnten, ohne schwerwiegende Schäden an Boden und Vegetation zu hinterlassen, wurde eigens eine Baustraße aus starken Rundholzstämmen auf einem Geotextil eingebaut und nach Abschluss der Arbeiten wieder zurückgebaut.

Die Hauptarbeit bestand jedoch darin, in einen massiven Entwässerungsgraben 17 holzarmierte Dämme einzubauen. Der Graben wurde ehemals bis tief in den Zentralbereich des Hochmoors getrieben, um das Moor zum Torfabbau trockenzulegen. Soweit kam es glücklicherweise nie. Die negativen Folgen für den Moorwasserhaushalt konnten nun unter Einsatz bewährter technischer Methoden gestoppt werden. Die Bauwerke bestehen laut Projektleiter Dr. Ulrich Weiland aus Holzspundwänden, die zur Konservierung und zur mechanischen Stabilisierung mit Torfwällen ummantelt wurden. Hierfür wurden im Gelände Torfentnahmestellen angelegt, die sich inzwischen mit Wasser gefüllt haben und als neue Habitatstrukturen für Insekten, Reptilien und andere dienen.