“Kriminelle Betreuer – wie schützt uns der Staat?” 21.9.2016

September 21, 2016 | Kategorie:Nachrichten |
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21. September 2016
22:00

“Kriminelle Betreuer – wie schützt uns der Staat?” am Mittwoch, 21.9.2016, um 22:00 Uhr im Bayerischen Fernsehen

DokThema stellt das Betreuungssystem auf den Prüfstand und arbeitet heraus, was geändert werden müsste, um effektivere Kontrolle zu gewährleisten.

Dabei werden ausführlich Fälle von Betroffenen dargestellt. Zu Wort kommen außerdem Experten aus den Reihen der Polizei und der Betreuungsbehörden, der Verband der Berufsbetreuer und das Bundes-Justizministerium.

Etwa 1,3 Millionen Betreute gibt es derzeit in Deutschland. Allein im Jahr 2014 kamen 210.000 neue Betreuungen dazu. Doch viele Menschen haben Angst davor im Falle einer Betreuung ihren Betreuern, die ihre Situation ausnützen könnten, wehrlos ausgeliefert zu sein. Und tatsächlich: Eine Studie der Polizeihochschule in Münster von 2014 belegt, dass Betreuung immer mehr Kriminelle anlockt. Das zumindest behauptet Markus Binninger, Co-Autor der Studie. Er hat Fälle von Betreuungsbetrug in Bayern systematisch analysiert und kommt zu dem Schluss, dass Betreuer viel zu wenig kontrolliert werden.

Angesichts des immer wieder massiven Machtmissbrauchs wäre seiner Meinung nach eine konsequente Aufarbeitung der Betreuungskriminalität nötig, um Täterstrategien zu analysieren und Staatsanwälte zu schulen, aber auch um potenzielle Opfer zu stärken.
Auch die Antikorruptionsorganisation Transparency Deutschland prangert die mangelnde Kontrolle der Betreuer an. Vor allem wird kritisiert, dass es keine standardisierte Ausbildung der Betreuer gibt, also jeder Betreuer werden kann.

Da gesetzliche Betreuer pro Fall verdienen, führt das oft zu einer Überlastung: Nicht selten hat ein Betreuer bis zu 170 Fälle. Wer Betreuer wird, legen die Betreuungsbehörden fest. Nach welchen Kriterien ausgewählt wird, ist für Dritte nicht nachvollziehbar. Ein Rechtspfleger soll den Betreuer kontrollieren. Doch auch das ist wenig effektiv, denn ein Rechtspfleger ist für bis zu 1.000 Betreuer zuständig.

Und nicht zuletzt gibt es sowohl zu wenig Transparenz über mögliche Interessenskonflikte, in denen Betreuer stecken können, als auch zu wenig Informations- und Mitwirkungsrechte für Angehörige. Selbst der Landesrechnungshof Schleswig-Holstein kommt deshalb in einer Studie von 2014 zu folgendem Schluss: “Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung steht fest, dass das Betreuungssystem nicht so fortbestehen kann, wie es jetzt ist. Es bedarf einer dringenden Überholung. (…). Ein Systemwechsel ist überfällig!”

“Kriminelle Betreuer – wie schützt uns der Staat?” am Mittwoch, 21.9.2016, um 22:00 Uhr im Bayerischen Fernsehen