Bio-Schaukäserei Wiggensbach mäht mit dem Doppelmesser

August 5, 2019 | Kategorie:Nachrichten |
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Mit altbewährter Technik für mehr Natur- und Artenschutz: Bio-Schaukäserei Wiggensbach mäht mit dem Doppelmesser.

5.8.2019 Wiggensbach (dk). Mit dem Einsatz der Doppelmesser-Mähtechnik setzt die Bio-Schaukäserei Wiggensbach (Allgäu) jetzt noch stärker auf Natur- und Artenschutz und baut seine streng nach ökologischen Kriterien betriebene Landwirtschaft weiter aus.

Die Altbewährte Messertechnik, die im Zuge der Technisierung in der Agrarwirtschaft gegenüber der Rotationstechnik immer mehr ins Hintertreffen gerät, schont die Wiesenfauna, schützt die Lebensräume von Insekten, Amphibien und Wildtieren und steigert die Futterqualität. Vorstandsmitglied Christian Heberle und Geschäftsführer Franz Berchtold setzen bereits seit vielen Jahren auf die umweltschonende Mähtechnik, weitere Mitglieder der Allgäuer Betriebsgenossenschaft sollen in naher Zukunft folgen.

„Mähen mit der Doppelmesser-Mähtechnik ist ein weiterer wichtiger Beitrag zur Erhaltung einer hohen Biodiversität im Grünland und der damit eng verknüpften nachhaltigen Herstellung von qualitativ hochwertigen Bio-Lebensmitteln wie etwa unser Heumilch-Käse. Je weniger wir in die Natur eingreifen, umso besser. Schlagkraft, Geschwindigkeit und Hightech auf Teufel komm raus sind nicht alles – das Gebot der Zeit lautet Wirtschaften in Einklang mit der Natur“, sagt Christian Heberle, der seit 1995 ökologische Landwirtschaft betreibt.

Mähgeräte mit Rotation sind eine große Gefahr für die gesamte Wiesenfauna. Durch die zum Grasschnitt eingesetzten schneidenden beziehungsweise rotierenden Teile werden Tiere schwer verletzt oder getötet. Die Arbeitsfläche und der Wirkbereich bei Scheibenmähern und Trommel-Mähwerken sind deutlich höher als bei Balkenmähern, die sich in zahlreichen Untersuchungen als für Tiere und Pflanzen schonendste Mahdvariante herausgestellt haben.
Aus diesem Grund kehrte Bio-Landwirt und Imker Christian Heberle bereits vor zehn Jahren zur altbewährten Mähtechnik zurück, nachdem er bemerkte, wie stark sich insbesondere die Zahl seiner Bienenvölker nach jeder Mahd mit schweren Mähwerken reduzierten.

„Zigtausende Bienen und andere Insekten wie Schmetterlinge oder Heuschrecken pro Mähgang und Hektar werden getötet, wenn Landwirte mit einem riesigen Rotations-Mähwerk über die Wiesen fahren. Wird zur mechanischen Behandlung von Grüngut und besseren Trocknung zudem ein Aufbereiter verwendet, sterben weitere Tiere. Mir ist klar, dass nicht alle Mäharbeiten hundertprozentig umweltgerecht umgesetzt werden können, aber meine Bilanz nach zehn Jahren fällt positiv aus: Es lohnt sich, die Betriebsabläufe zu optimieren – bereits geringfügige Veränderungen sichern das Überleben einer ganzen Population“, sagt Heberle.

Mittlerweile mäht der Bio-Landwirt seine Wiesen nur noch mit der Öko-Mähtechnik – und er mäht wesentlich später als früher. Seine erste Mahd führte Heberle in diesem Jahr erst Anfang Juni durch – „zu diesem Zeitpunkt waren unsere 20 Bienenvölker bereits ausgeschwärmt“, freut sich Heberle.

Franz Berchtold hat vor vier Jahren ebenfalls wieder auf die Doppelmesser-Mähtechnik umgestellt. Auch aus der Sicht des Geschäftsführers der Bio-Schaukäserei Wiggensbach überwiegen die Vorteile: „Ich dachte zuerst an einen Rückschritt. Zudem schreckte mich der Verschleiß und hohe Zeitaufwand zum Schärfen der Messerklingen ab. Mittlerweile sehe ich das aus einem anderen Blickwinkel“, sagt er und nennt Beispiele: „Die Doppelmesser-Mähwerke sind bei vergleichbarer Arbeitsbreite im Vergleich zu den Rotations-Mähwerken um gut zwei Drittel leichter und benötigen weniger als die Hälfte der Antriebsleistung. Somit spart man Treibstoff und Arbeitszeit ohne Schlagkraft zu verlieren und kann auch kleinere Traktoren mit weniger als 100 PS einsetzen.“

Zum Vergleich: Berchtolds aktueller Traktor hat 100 PS, das 10-Meter-Doppelmesser-Mähwerk wiegt knapp 900 Kilogramm. Früher waren es bei 150 PS etwa 4,5 Tonnen, die ein 9-Meter-Scheibenmähwerk mit Aufbereiter auf die Waage brachte. „Es würden 40 PS Antriebskraft für die Doppelmesser-Mähtechnik ausreichen. Somit benötigt man im Vergleich zum Scheibenmähwerk mit Aufbereiter gerade einmal ein Fünftel des Treibstoffs“, so Berchtold.

Weiterer Vorteil der Doppelmesser-Technik: Auf den Wiesen entstehen kaum Schäden an den Grasnarben, das Gras wächst demzufolge schneller wieder nach. Das gemähte Gras trocknet zudem schneller, schmeckt den Tieren besser und wirkt sich somit positiv auf die Qualität der Milch und die produzierten Lebensmittel aus. Franz Berchtold: „Wer wissen möchte, wie gut unser Natur- und Artenschutz schmeckt, muss nur unseren Heumilch-Käse probieren.“

Täglich frisch produzierte Heumilch ist Hauptbestandteil des Bio-Heumilch-Käses, für den die Bio-Schaukäserei Wiggensbach seit vielen Jahren weit über die bayerischen Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Mehr als 25 Sorten in verschiedenen Geschmacksvarianten bieten die Allgäuer bundesweit in Bio- und Naturkostläden zum Verkauf an. 2018 stellte das Unternehmen 400 Tonnen Bio-Käse her. Zweimal (2016 und 2018) wurden Käsesorten des Allgäuer Unternehmens mit dem Prädikat „Bayerns bestes Bio-Produkt“ ausgezeichnet.

Mit dem Einsatz der Doppelmesser-Mähtechnik setzt die Bio-Schaukäserei Wiggensbach auf Natur- und Artenschutz. Die altbewährte Messertechnik schont die Wiesenfauna, schützt die Lebensräume von Insekten, Amphibien und Wildtieren und steigert die Futterqualität. Foto: Bio-Schaukäserei Wiggensbach